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REISEN / PORTUGAL / Mein Lissabon

Im Aufzug durch die Stadt

Ascensor da GlóriaLissabon ist auf sieben Hügeln erbaut. Das ist schön fürs Auge, weil sich an vielen Straßenecken neue, oftmals spektakuläre Ausblicke eröffnen. Weniger schön ist das für die Füße. Wer einmal von der Unterstadt Baixa hinauf ins Bairro Alto und die Alfama gewandert ist, weiß wovon ich spreche. Teilweise geht es nämlich ordentlich bergauf und bergab.Bereits im 19. Jahrhundert dachten die Stadtväter darüber nach, wie man den geplagten Fußgängern der lusitanischen Metropole das Leben erleichtern könnte. Herausgekommen sind dabei die drei Standseilbahnen Ascensor da Bica, da Glória und do Lavra, die neben dem Elevador de Santa Justa und der alten Straßenbahnlinie 28 heute zu den Wahrzeichen der Stadt gehören.Den Anfang machte am 19. April 1884 der Ascensor do Lavra, der den Largo da Anunciada mit der Rua Câmara Pestana verbindet. Auf einer Fahrstrecke von nur 182 Metern überwindet der Aufzug eine Höhendifferenz von 43 Metern, die Steigung beträgt dabei bis zu 25 Prozent. Schon am Eröffnungstag war der erste Aufzug der Stadt ein voller Erfolg, mehr als 3.000 Lisboetas nutzten damals die Gelegenheit zu einer Gratisfahrt mit dem neuen Transportmittel.Schon im darauf folgenden Jahr ging am 24. Oktober 1885 der Ascensor da Glória in Betrieb, der von der zentral gelegenen Praça dos Restauradores 265 Meter hinauf ins Bairro Alto zum Miradouro São Pedro de Alcântara rumpelt und dabei beachtliche 48 Höhenmeter überwindet.Am 28. Juni 1892 nahm dann der Ascensor da Bica seinen Dienst auf. Er verbindet auf einer 260 Meter langen Strecke mit einer Höhendifferenz von 45 Metern den Largo do Calhariz mit der Rua de São Paulo, von wo es nur noch ein kurzer Weg bis zum Mercado da Ribeira ist.Eine Fahrt mit einem der drei Ascensores gehört eigentlich zum Pflichtprogramm in Lissabon. Wer sich das Erlebnis gönnen will, sollte den Aufzug nicht ohne die wiederaufladbare Magnetkarte Viva...

Die große Welle am Tejo

Gut möglich, dass das neue Museum der Kunst, Architektur und Technologie (MAAT) schon bald zu einem neuen Wahrzeichen von Lissabon wird.Das im Oktober 2016 eröffnete Gebäude der Kulturstiftung des Energiekonzerns EDP ist in der Tat spektakulär: Einer großen Welle gleich liegt der Museumsbau am Ufer des Tejo. Die Fassade besteht aus beinahe 15.000 hellen Kacheln, das gewölbte Dach ist für Besucher zugänglich und bietet einen wunderbaren Ausblick auf den Fluss, die Ponte 25 de Abril und die Christusstatue am anderen Ufer.Gerade einmal zwölf Meter hoch ist das von der britischen Architektin Amanda Levete entworfene Bauwerk und versperrt damit nicht den Blick auf die historischen Gebäude, die es im Stadtteil Belém im Überfluss zu bestaunen gibt.Das Herzstück im Inneren bildet die eintausend Quadratmeter große Oval Gallery, die zur Museumseröffnung als Ausstellungsfläche für das Projekt Pynchon Park der französischen Künstlerin Dominique Gonzales-Foerster genutzt wird.Im MAAT sowie in den Räumen des nebenan gelegenen Elektrizitätsmuseums sollen künftig in wechselnden Ausstellungen moderne Kunst, Architektur und Technologie vereint werden.MAAT - Museu de Arte, Arquitetura e TecnologiaAvenida BrasíliaMittwoch-Montag 11-19 Uhr, Eintritt 5 Euro (mit Central 9€)Stand: April 2018

Segeltour auf dem Tejo

Eintausendundsieben Kilometer lang ist der Tejo, der längste Fluß der iberischen Halbinsel. Auf dem Weg von seiner Quelle in der spanischen Provinz Aragonien passiert er das mittelalterliche Toledo, bevor er in Lissabon in den Atlantik mündet.Mar da Palha - Strohmeer - nennen die Portugiesen das Delta des Tejo, das vor den Toren ihrer Hauptstadt bis zu 23 Kilometer breit ist. An seinem Ende spannt sich die 17 Kilometer lange Ponte Vasco da Gama über den Fluß und das Naturschutzgebiet Parque Natural do Estuário do Tejo. Ein Stück Flussabwärts verbindet die Ponte 25 de Abril die Stadt mit dem Südufer. Noch etwas weiter östlich liegt der historische Stadtteil Belém, der Ausgangspunkt für unsere zweistündige Segeltour auf dem Tejo war.Im September 2017 durfte ich ein Filmteam begleiten, das in Lissabon im Auftrag des Fernsehsenders Sat.1 eine Reportage für das Reisemagazin Grenzenlos gedreht hat. Die 45-minütige Sendung wurde zwei Monate später ausgestrahlt.Zum Abschluss der Dreharbeiten segelten wir mit einem Einmaster Flussaufwärts von der Marina in Belém bis zum Terminal der riesigen Kreuzfahrtschiffe, die vor dem Santa Apolónia-Viertel vor Anker liegen.Unterwegs weht uns ein kräftiger Atlantikwind um die Nase. Wir passieren das Denkmal der Entdecker, das neue Kunstmuseum MAAT, fahren unter der Brücke des 25. April hindurch, bis sich der Terreiro de Paço im warmen Abendlicht vor uns öffnet. Hinter dem historischen Eingangstor zur Stadt wenden wir und segeln dem Sonnenuntergang entgegen nach Belém zurück.In mehr als 30 Jahren habe ich Lissabon aus vielen Perspektiven gesehen. Die Tour mit dem Segelboot gehört zweifellos zu den schönsten Eindrücken, die mir die Stadt geboten hat. Ein unvergessliches Erlebnis, dass ich allen, die die Möglichkeit dazu haben, nur ans Herz legen kann.Private Segeltouren auf dem Tejo veranstaltet unter anderem Lisbon Sail.Stand: November 2017

Rundfahrten mit Bus und Straßenbahn

Es gibt viele Arten, Lissabon zu entdecken. Am reizvollsten ist es natürlich, die sieben Hügel der Stadt zu Fuß zu erkunden, denn an fast jeder Ecke warten monumentale Bauwerke, verträumte Gassen und spektakuläre Ausblicke.All jenen, die nur wenig Zeit haben, die Strapazen manchmal beschwerlicher Fußwege scheuen oder sich zunächst einfach orientieren wollen, bieten die Verkehrsbetriebe Carris sechs Rundfahrten mit dem Doppeldeckerbus, der Straßenbahn oder dem Schiff an. Alle funktionieren nach dem System Hop-On Hop-Off, die Touren können also beliebig oft unterbrochen und später fortgesetzt werden.Tagus TourEinen schönen Eindruck von Lissabon vermittelt die Tagus Tour, die nach dem englischen Namen des Tejo-Flusses benannt ist. Der gelbe Doppeldeckerbus startet am zentral in der Innenstadt gelegenen Praça da Figueira und fährt zunächst die Avenida da Liberdade hinauf zur Statue des Marquês de Pombal. Weiter geht es über die Praça de Espanha, das Bairro Azul-Viertel und das Einkaufszentrum Amoreiras zur Basílica da Estrela. Von dort führt die Strecke in den historischen Stadtteil Belém und dann am Fluß entlang zurück zum Terreiro do Paço und der Praça da Figueira.Unterwegs bekommt man per Kopfhörer alles Wissenswerte erzählt. Insgesamt achtzehnmal macht der Yellow Bus halt und bietet somit ausreichend Gelegenheit, die Tour zu unterbrechen und die Gegend zu erkunden. Theoretisch verkehren die Busse alle 15 Minuten, allerdings kann es verkehrsbedingt zu deutlich längeren Abständen kommen. Während meiner Tour musste ich eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten, was ein häufiges Hop-On Hop-Off zu einer zeitraubenden Angelegenheit machen kann.Als Stadtrundfahrt ist die Tagus Tour, die ohne Unterbrechung rund zwei Stunden dauert, aber durchaus empfehlenswert. Gehen sie bei schönem Wetter auf das offene Oberdeck. Aus vier Metern Höhe hat man dort einen schönen Ausblick auf die Straßen und Denkmäler Lissabons.Hills Tramcar TourDie historischen Straßenbahnen zählen zu den Wahrzeichen von Lissabon. Entsprechend ist oftmals gerade die berühmte Linie 28...

Auf den Spuren von Fernando Pessoa

Vor dem Geburtshaus des DichtersWer Lissabon besucht, wird dem Herrn mit dem markanten Hut an vielen Stellen begegnen. Der Dichter und Schriftsteller Fernando Pessoa zählt zu den prominentesten Namen der Hauptstadt, sein Konterfei ziert Souvenirs für jeden Geschmack und Geldbeutel. Zu Lebzeiten weitgehend unbekannt, gilt Pessoa heute zusammen mit Luís de Camões als bedeutendster Lyriker Portugals.Fernando Pessoa ist erst fünf Jahre alt, als sein Vater an Schwindsucht stirbt. Zwei Jahre später heiratet seine Mutter den portugiesischen Konsul in Durban. In Südafrika verbringt Pessoa ein Jahrzehnt, bevor er mit Siebzehn nach Lissabon zurückkehrt und ein Literaturstudium beginnt, das er später abbricht. Als Handelskorrespondent verdient er seinen Lebensunterhalt und führt bis zu seinem Tod ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben.Unverwechselbar ist das faszinierende Werk Pessoas durch seine zahlreichen Heteronyme. Unter mehr als 70 verschiedenen Namen schreibt er Texte, sein Nachlass umfasst rund 24.000 Manuskripte. Zu den bedeutendsten Heteronymen zählen Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis.Im Altstadtviertel Chiado kommt Fernando Pessoa am 13. Juni 1888 im vierten Stock des Gebäudes am Largo de São Carlos 1-5 zur Welt. Sein Geburtshaus steht direkt gegenüber dem Teatro Nacional de São Carlos, in dem Pessoas Vater häufig als Musikkritiker beschäftigt ist. Der Dichter lebt hier bis zu seinem fünften Lebensjahr. Vor dem Gebäude befindet sich heute eine Statue, die 2008 zum 120. Geburtstag von Pessoa enthüllt wurde. Sie ist über zwei Meter hoch und hat ein Buch als Kopf. Ganz in der Nähe wird der kleine Fernando im Juli 1888 in der Basílica dos Mártires getauft.Nach seiner Rückkehr aus Südafrika lebt Pessoa von 1908 bis 1912 am Largo do Carmo 18. Vom Fenster seines Schlafzimmers blickt er auf die Ruine des Convento do Carmo. Nur wenige Schritte von dort entfernt befindet sich das Kaffeehaus A Brasileira. Das historische Lokal, in dem mit der Bica die...

Opernhaus und Filmkulisse

Alt ist es und ehrwürdig, das Opernhaus São Carlos mitten im historischen Stadtteil Chiado. 1793 von Prinzregent Dom João VI nach nur sechsmonatiger Bauzeit eröffnet, orientiert sich seine Architektur mit Elementen aus Neoklassizismus und Rokoko an den Opernhäusern von Mailand oder Neapel.Anders als in vielen Häusern zu jener Zeit üblich, bleibt das São Carlos von Beginn an nicht dem Adel vorbehalten. Zutritt erhält, wer den Eintritt bezahlen und sich dem Anlass entsprechend kleiden kann. Ein Meilenstein für die Emanzipation des Bürgertums in Portugal. Ursprünglich von Kronleuchtern mit Talgkerzen erleuchtet, installiert man im Jahr 1850 eine Gasbeleuchtung, bevor das Gebäude ab 1885 elektrifiziert wird. Bis heute das bedeutendste Opernhaus des Landes, stehen hier unter anderem Monserrat Caballé, Maria Callas, Placido Domingo oder das Bolshoi-Ballet auf der Bühne.Genau zweihundert Jahre nach seiner Eröffnung dient das São Carlos als Kulisse für die Verfilmung von Isabel Allendes Bestseller Das Geisterhaus mit Glenn Close und Jeremy Irons in den Hauptrollen.Zu den regelmäßigen Programmpunkten zählen heute Aufführungen des 1943 gegründeten Chors des Nationaltheaters sowie Konzerte des Portugiesischen Symphonieorchesters. Eintrittskarten für alle Veranstaltungen sind an verschiedenen Vorverkaufsstellen oder online erhältlich.Teatro Nacional de São CarlosRua Serpa Pinto 9, Telefon 213 253 045Email reserva.bilhetes@saocarlos.ptStand: September 2017