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Gedanken eines Fliegenden
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was man halt so erlebt als Kapitän auf Reisen…
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Bitte tun sie das nicht!

Um Himmelswillen NEIN!Es gibt einiges, was bei der Fliegerei Tabu ist. Kleiderkauf nach dem Flug gehört dazu, übertriebene Freundlichkeit zu amerikanischen Grenzbeamten auch. Man sollte in Los Angeles nicht bei Rot über die Strasse gehen und auch Kritik an den Fahrkünsten unserer Crewbusfahrer kommt schlecht an. Wer nach Bangkok will soll nie und nimmer Bangkok im Wunschsystem eingeben und am Wochenende hat man mit fast 100 prozentiger Sicherheit frei, wenn jeweils Samstags ein Hongkong gewünscht wird.Lege Dich nie mit den First Class Galley-Engel an und unterstehe dich, die Crew bei der Ansage «landing in ten minutes» zu belügen. Beschwere dich nicht über vollgestellte Parkhäuser und reklamiere nie beim Tower, wenn es in Zürich wieder einmal eine halbe Stunde Verspätung gibt.Auch die Sicherheitsbeamten an den Röntgenapperaten verstehen keinen Spass, wenn die Schuhe piepsen oder Handys in den Hosensäcken durch die Schleuse geschmuggelt werden. Der Zoll mag kein amerikanisches Rindsfilet im Crewgepäck und auch nicht abgeholte Pakete mit verderblichem Inhalt werden in der Crewpost wenig geschätzt. Wehe auf dem BAZL Formular wird eine Unterschrift vergessen oder man schreibt auf das Couvert nicht die neusten Postadressen, die aufgrund Restrukturierungen im Monatsrythmus ändern.Ein falsches Wording im B777 Cockpit kommt ähnlich schlecht an, wie schmutzige Schuhe am Linecheck. Wer während des Crewbriefings das Handy benutzt bewegt sich in Augenhöhe mit denen, die nach einem 12-Stunden-Flug den iPad-Bildschirm im Cockpit nicht reinigen. "Dangerous Goods" müssen nun mal alle zwei Jahre trainiert werden, da hilft toben und stampfen bei den Lehrpersonen wenig.Nicht grüssende Kollegen gehören genauso zu der unbeliebten Truppe wie die Spezies, die wie Mumien herumstehen, wenn die jüngste Hostess dem Fahrer hilft, die schweren Koffer zu entladen.Ganz oben auf der Hassskala stehen jene, die um Hotelzimmer feilschen, wenn der Grossteil der Crew hinter dem Tresen für einen Zimmerschlüssel ansteht.So, ich glaube das sind alle Do’s...

Aufgewärmtes – Teil 2

Ich bin noch immer im Engadin und warte sehnlichst auf den ersten Schnee. Grund genug wieder etwas aufgewärmtes zu servieren!Max Havelaar FlügeFluggesellschaften können von Krankenkassen viel lernen. Die Gesundheitsinstitute haben es dank geschicktem Lobbying und Marketing soweit gebracht, dass ein Jubelschrei durch den Blätterwald geht, wenn die Prämien für einmal nur im einstelligen Bereich steigen. Farbige Prospekte werden versandt, und frohlockend wird verkündet, dass der Prämienanstieg um einige Promille tiefer ausfallen könnte, wenn der Versicherte sich für ein Jahr verpflichten würde, bis und mit Herzimplantation alles selber zu berappen.Das ist ein Geschäftsmodell, das so gut floriert, dass den Verantwortlichen ein gewisser Hang zum Übermut nicht abgesprochen werden kann. Das führte 2011 dazu, dass einige Räte der Verwaltung einer Krankenkasse die Aktien so «boschig» bewertet haben, damit es ihnen und ihrem Portfolio zugute kam. Dies führte für die Betroffenen zu einem Berufsverbot und ermöglicht mir einen wunderschönen Übergang zur Fliegerei.Was, wenn wir als Airline so funktionierten wie eine Krankenkasse? Wir bräuchten einen eigenen Bundesrat, der Jahr für Jahr den Schwarzen Peter spielt, und zahlreiche Lobbyisten, die Erste-Klasse-Tickets in der Wandelhalle verteilen. Wir könnten jedes Jahr die Preise erhöhen und kundenfreundliche Franchisen anbieten, bei denen der Passagier ein paar Prozente Ermässigung erhält, wenn er das Kerosin selber mitnimmt oder ein paar halbe Prozente Reduktion, wenn er beim «Local Frost Removal» Hand anlegt. Passagiere ohne Zusatzversicherung (Economy) müssten beim Push-back helfen und würden damit beitragen, dass die CO2-Bilanz und die Kosten signifikant gesenkt würden. Sobald eine «Winter-OPS» am freigelegten Flügel durchgeführt würde, käme der Taxpunkte-Zähler ins Rotieren, und bei mehr als 20 Knoten Seitenwind müsste zwingend der Oberarztzuschlag abgerechnet werden. Pro umflogene Gewitterzelle landet eine definierte Taxpunktmenge auf der Guthabenseite, und bei Rückenwindlandungen gäbe es noch ein paar extra dazu. Passagieren, die zum ersten Mal fliegen, wird die Erstkonsultation in Rechnung gestellt, und...

Aufgewärmtes – Teil 1

Bald ist unser 15. Hochzeitstag. Endlich wieder im Engadin, endlich wieder etwas Pause. Ich glaube es käme nicht gut an, wenn ich diese freie Zeit mit Texten verbringen würde. Darum serviere ich Aufgewärmtes, das an dieser Stelle noch nicht erschienen ist.Herzlich willkommen an Bord!Das Begrüssen der einsteigenden Passagiere gehört zur nobleren der Aufgaben, die ein Jungkapitän morgens um halb Sieben zu erledigen hat. Man spürt den Puls der Gäste, man kann Probleme früh erkennen und diese im Keim ersticken. Die Checklisten sind abgearbeitet, die Fracht im Bauch verstaut, und der M/C wartet auf Wasserdruck, damit die Kaffeemaschine 15 Zentimeter neben meinem Kopf in Betrieb genommen werden kann.«Guten Morgen.»«Bonjour!»«Herzlich willkommen!»«Mhhhh.»«Grüezi!»«Hello.»«Good Morning!»«You are late!»«No, I'm not late. I'm on the plane since 6:10 a.m. You are late!»«Mhhhh.»«Wo kann ich mein Handgepäck verstauen?»«Leuchtweste an, Treppe runter, ums Flugzeug rum und ab ins hintere Frachtabteil.»«Dieses Handgepäck ist auf dem Flugzeug erlaubt!»«Wer sagt das?»«Die Verkäuferin bei Aldi.»«Aha...»«Hello.»«Bonjour!»«Good Morning.»«Hello.»«Haben Sie den ‹Schwäbischen Anzeiger›?»«Nur wenn sie uns die Nordanflüge wiedergeben!»«Guten Morgen.»«Bonjour!»«Guten Morgen.»«Könnten Sie mir das abnehmen?»«Nö.»«Warum nicht?»«Keine Zeit, keine Lust, keine Kraft.»«Guten Morgen.»«Bonjour!»«Morning.»«Mhhhh.»«Sorry, not in this T-Shirt on a Swiss plane!»«Why?»«FLY EMIRATES – come on!»«Guten Morgen.»«Bonjour!»«Bonjour.»«Oje, dr Käpten isch en Wälsche!»«Bonjour.»«Merde, un pilot Swiss toto...»«Guten Morgen.»«Mhhhh.»«Hallo.»«Mhhhh.»«Grüezi.»«Könnte ich einen Fensterplatz kriegen?»«Das Flugzeug ist voll besetzt. Das wird etwas kompliziert.»«…aber ich möchte herausschauen.»«Es ist dunkel.»«…aber die Lichter sind auch schön.»«Es hat Nebel.»«Willkommen an Bord.»«Wie immer zu spät!»«Ihnen auch einen schönen Tag...»«Morning.»«Is my low-fat-vegetarian-gluten-and-nut-free-medium-rare-meal loaded?»«The flight time to Geneva is only 25 Minutes. We don't serve meals.»«But I'm hungry!»«We serve Swiss Chocolate.»«Organic chocolate?»«Guten Morgen.»«Aha der Chef persönlich. Haben Sie die Kiste auch im Griff?»«Grüezi.»«Bonjour!»«Wie viele Passagiere hast Du schon?»«109, es fehlen noch 50.»«Sch.....»

Speeddating

Ich gebe es ja zu, mit zweideutigen Titeln holt man am meisten Klicks. Dass «happy ending in Bangkok» jeden Tag die höchste Trefferquote in den Google Dschungeln erzielt, stellt die männliche Internetgemeinde zugegebenermassen in ein schlechtes Licht.Meine Taktik ist so neu auch wieder nicht. Den «Japanischen Freudenhäusern» und dem «Viagra für Piloten» ist es einst ähnlich ergangen. Diese beiden Geschichten bringen mir noch wöchentlich hunderte von Besuchern auf die Seite.Der aktuelle Titel «Speeddating» ist aber eher trauriger, als reisserischer Natur. Es befasst sich mit einem Schicksal, das Menschen bewegt und Künstler beflügelt. Grosse Werke wurden geschrieben, die sich mit dem Trennen von Unzertrennlichem befassten. Kinosäle voller schluchzender Zuschauer verliessen den Saal, haderten mit dem Schicksal von Getrennten (Titanic - Leonardo und Kate!) und füllten die grossen Abfalleimer vor dem Ausgang mit Tempotüchern statt mit Popcorn Tüten.Auch in der Fliegerei wird täglich Unzertrennliches getrennt und das nicht nur bei den Passagieren. Auch die Crew wird wiederholt mit dem stärksten aller Gefühle konfrontiert und das einem festen Flugplan folgend. Dieser Flugplan, entworfen von Netzwerk-Profis, überprüft von Arbeitsmedizinern, angepasst an operationelle Befindlichkeiten, codiert von indischen Programmierern und verhandelt von Berufsverbänden und Vorgesetzten. Dieser Flugplan bestimmt das Leben aller jener, die Tage und Nächte in der Luft verbringen und dafür sorgen, dass die vielen Kates und Leonardos dieser Welt wieder vereint werden.Es liegt auf der Hand, dass Angestellte wie wir Fliegenden, die täglich emotionale Menschen transportieren und verwöhnen, auch Emotionen haben. Es liegt auf der Hand, dass Angestellte wie wir Fliegenden zusammengehören und während der ganzen Rotation eine Gemeinschaft bilden, die nie und nimmer getrennt werden darf. Leider hat irgendein Glied in der Kette der Netzwerk-Profis, Arbeitsmedizinern, indischen Programmierern oder Gewerkschaftlern die seltsame Idee gehabt, das was zusammengehört ausgerechnet an der abgelegensten aller Destination auf dem Streckennetz zu trennen. Was anderen Ort für die...

Schönheitsoperation

Die gute Nachricht vorweg: der Checkflug ist geschafft, die Lizenz wieder 6 Monate gültig. Jetzt heisst es vorwärtsschauen, vorwärts auf acht Wochen ohne Simulatordienst.Heimflug von BangkokUnsere lieb gewonnene Dame im Simulatorgebäude lässt sich nämlich auffrischen und das gibt mir Gelegenheit, die Welt wieder einmal in Realität zu erleben. Wellnessferien heisst ihre Destination und ähnlich wie Frauen aus Fleisch und Blut, will unsere B777-Simulator-Lady nach dem Urlaub wieder aussehen wie Zwanzig. Ich verstehe sie!Bis anhin stand sie auf währschaften, dicken Stelzen, die da und dort mit Hydraulikleitungen durchzogen waren. Diese unterschieden sich optisch von den Krampfadern lebendiger Ladies kaum.Als die junge Nachbarin Frau A320 eines Morgens mit grazilen und an Eleganz kaum zu überbietenden Beinchen aus dem Wellness-Urlaub zurückkam, begannen die Sticheleien in der grossen Halle Formen anzunehmen, die wir Menschen sonst nur aus Frisör-Salons voller weiblicher Kundschaft kennen. Ein Seitenhieb da, eine unpassende Bemerkung dort. Konnte unsere B777 in Vergangenheit mit ihren grossen GE90 Möpsen prahlen, übertrafen die faltenfreien neuen Beinchen der Frau A320 schlichtweg alles bisher Dagewesene. Besucherinnen und Besucher bestaunten die glänzenden und unterhaltsfreien Blickfänge der jungen Wilden und zeigten keinerlei Interesse für die GE90 Monster der B777 Lady. Dass unsere B777 Grossmutter auch an diversen Stellen etwas Flüssigkeit verlor, steigerte ihre Attraktivität in keinster Weise.Wer wundert sich, dass unsere B777-Simulator-Lady immer mehr zickte und unausstehlich wurde. Sie verrichtete ihren Dienst weiterhin ohne zu bocken, zeigte uns aber regelmässig mit kleinen Warnungen wer die Hosen in der Simulator-Halle trägt.So werden die Hydraulikkrampfadern in den nächsten Wochen entfernt, elektrische Kabel eingelegt, neue Beinchen montiert und von Fachkräften an allen empfindlichen Stellen massiert. Wie es sich für einen langen Kururlaub gehört, werden für einige wildfremde Männer die neuen Beinchen in Stellung gebracht, die heilige Pforte geöffnet und dann geht die Post ab! ...

Fuck the Fucker

Schadenfreude ist angebracht, diesmal trifft es den Richtigen! Auch Instruktoren erhalten jeweils nur für sechs Monate eine Flugbewilligung, auch Instruktoren haben sich halbjährlich im Simulator zu beweisen. «Fuck the Fucker» nennt sich das im Pilotenjargon und wie gesagt, Schadenfreude ist angebracht. Als Instruktor hat man den Ruf, dass man alles weiss. Das ist natürlich kompletter Blödsinn, hat aber schon seine Vorteile. «Selbstsicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit», das haben uns Führungspersönlichkeiten aus allen Branchen längst abgeschaut. Trotzdem funktioniert es immer noch, darum gehört das Pockerface auch im Boeing Simulator zu den wichtigsten Instrumenten.Anlässlich meines letzten Checks auf der A32X-Flotte stellte mir ein jungdynamischer Instruktor eine Frage, die ich als hochdekorierter Fluglehrer eigentlich hätte wissen müssen. Ich wusste die Antwort nicht. Doch statt mit roten Ohren die Unwissenheit zuzugeben, habe ich selbstsicher und etwas arrogant geantwortet: «Blöde Frage, das weiss ich schon lange. Frag doch den Copiloten!» Gemein, ich weiss, aber der Copi wusste die Antwort und konnte sich als Dank am Abend in einer Wanne Bier tummeln.Tja, wie sie liebe Leserinnen und Leser unschwer erkennen können, liegt mir das Ganze schon ein bisschen auf dem Magen. Nicht so schwer wie ein Prime Rib vom Lowry’s in Chicago, aber etwa so wie ein veganer Hotdog von einem hippen Streetfood-Shop irgendwo in Berlin.Damit ich nicht Gefahr laufe, zuviel vorzubereiten, schickt mich die Firma noch in ein paar Weiterbildungskurse für Instruktoren. Ich sage ja: «Fuck the Fucker»!Berichte vom Fliegen gibt es wieder Anfangs September, vorausgesetzt ich bestehe den Check. Falls nicht, haben wir ein Problem. Der Simulator in Kloten wird aufgerüstet und das dauert seine Zeit. Drückt mir die Daumen liebe Leserinnen und Leser! Ich danke es Euch mit weiteren Geschichten.