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Gedanken eines Fliegenden
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was man halt so erlebt als Kapitän auf Reisen…
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Skybars, schnelle Beine und lange Nächte

«Politics is show business for the ugly people» – das habe ich neulich irgendwo gelesen. Politiker scheint es in dieser Skybar keine bis gar keine zu haben, von Politikerinnen ganz zu schweigen. Schöne Leute beherrschen die Szenerie und schöne Leute sind so schlecht ja nicht. Der jüngere Teil der weiblichen Crew wollte den Abend unbedingt in eben dieser Skybar beginnen und der alte Kapitän soll gefälligst auch mitkommen. Nicht dass ich ein hübscheres Gesicht hätte, als all die Hibster mit ihren Bärten, aber der Geldbeutel des Vierstreifers hat bei diesen Preisen eine gewisse Anziehungskraft.Während die Jüngeren Selfies aus allen möglichen Positionen mit möglichst jedem beleuchteten Hochhaus im Hintergrund aufnehmen, betrachten wir Älteren die Frauen als Ganzes und fragen uns ernsthaft, warum diese stets ihr Gesicht ablichten, wenn der Rest doch genau so schön ist. Die Drinks sind weg, die jungen Damen bedanken sich höflich beim Herrn Kapitän und verschwinden so schnell wie der Schnee an der Engadiner Frühlinssonne. Man sieht sich.Die Herren Piloten haben Blut geleckt und können von schönen Beinen nicht genug kriegen. Es ist Mittwochabend und im «Happy Valley» sind Pferderennen. Nicht so wie in Ascot mit Hüten und teuren Roben, nein eher wie in einem deutschen Fussballstadion. Biertheken gibt es zahlreiche und diese bieten Bölkstoff aus allen Kontinenten an. Wurststände verkaufen peinliche Kopien von Bratwürsten und Marktschreier versuchen in den Rennpausen allerlei Unnützes an Mann und Frau zu bringen. Das alles unter freiem Himmel bei Temperaturen um die 28°C. Mit einem Auge verfolgt der Mann die Pferde, die mit 60 Stundenkilometern über den Rasen laufen und das andere Auge versucht keine der weiblichen Kopien von «Penelope Cruz» zu verpassen.Das macht Appetit und die Herren Piloten verschieben langsam nach «Lan Kwai Fong». Scharfes Curry und noch schärfere Vorspeisen bringen Unruhe in den Magen und die ersten Zeichen von...

Brotkrümel in Hong-Kong

Es ist gut, dass sich nicht alles im Schnellzugtempo ändert. Ein gewagter Satz, wenn man bedenkt, dass ich im Moment in einem belgischen Kaffee mitten in Hong-Kong sitze und dem energiegeladenen Treiben auf der Strasse zusehe.Die computerisierte Einsatzplanung hat mich nach siebenjähriger Abwesenheit endlich wieder einmal nach Hong-Kong geplant – und das gleich zwei Mal hintereinander. Ich kenne diese Stadt sehr gut, vielleicht sogar besser als die kleinste Grossstadt der Welt, die nur zwölf S-Bahnminuten von meinem Wohnort in eben dieser Agglomeration liegt.Nach sieben Jahren hat sich aus meiner Sicht nicht viel geändert. Das gleiche Hotel, das gleiche Design der Octopus-Karte, die gleichen U-Bahn Tarife, die gleichen Ausgehmeilen und die gleiche und damit unerträgliche Musik-Lautstärke in Lokalen wie das «dust till dawn» und anderen.Ok, natürlich ist meine Meinung nach nur einem Tag Aufenthalt alles andere als aussagekräftig, aber wenn man etwas mit (sieben Jahren) Distanz betrachtet, ist das Bild nicht selten objektiver. Eine Kleinigkeit, die es in dieser Form vor sieben Jahren so nicht gegeben hat, ist diese europäische Oase zwischen der Hennessy und der Johnson Road, nahe unseres Hotels. Kopfsteinpflaster, schattenspendende Bäume, Kaffees mit Tischen unter dem in die Höhe gewachsenen Grünzeug und jede Menge Bäckereien aus aller Welt. Diese Bäckereien sind sehr gut und teuer – sauteuer. Aber die angebotenen Frischwaren inklusive Brot sind einzigartig. Neben einer belgischen, in der ich gerade kaffeeschlürfend unter Bäumen sitze, gibt es noch Teig- und Zuckermanufakturen aus Korea (ausgezeichnet), Japan (mmmmhhhhh) und – hört, hört – aus der Schweiz.Dieser Schweizer Patisserie-Magier hat genau das im Angebot, was meinen Gaumen hibbelig macht. Schon beim ersten Bissen merkt man, dass kaum eine Beilage mit einer E-Nummer abgekürzt werden muss. Frisch, gut, unwiderstehlich! Auch Brot hat der Herr Dubois im Angebot. Das Kilo zu 150 HK$, was ungefähr 20 Schweizerfränkli entspricht. Wer bezahlt denn diese...

Gopfridstutz

Gopfridstutz! Genau 17 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal in diesem Singapur ausgestiegen bin. Die Firma hiess anders, das Flugzeug hatte einen Motor mehr (als Geschwür am Schwanz) und die Welt war dankbar, dass der Millenium-Bug keinen Schaden angerichtet hat. Junge Leserinnen und Leser mögen sich vermutlich nicht mehr an diesen Bug erinnern – das macht aber auch nichts. Was geblieben ist in Singapur ist das Wetter. Heiss und schwül begrüsst mich die Stadt und sie hält auch an der Tradition vom täglichen Gewitter stur fest.Diese Gewitter begleiteten mich selbstverständlich auch im Anflug. Dank des hypermodernen Wetterradars konnten wir den Gefahren ausweichen, sogar den fast unsichtbaren. Gopfridstutz bin ich den Damen und Herren von Rockwell Collins dankbar! Die rote Fläche auf dem Wetterradarbild sieht man eher selten. „Predictive Over Flight Alert“ nennt sich die Funktion und warnt Piloten von starken Turbulenzen, ausgelöst von einer sehr schnell wachsenden Gewitterzelle, deren höchste Wolkenränder noch einige tausend Fuss unter der momentanen Flughöhe liegen. Passagiere an Bord und Mechaniker am Boden waren uns für dieses Ausweichmanöver dankbar.Lustig war der Anflug dennoch. „Sorry Swiss 178, we changed the landing direction due to the thunderstorm activity in the vicinity of the aerodrome.“ Diesen Satz hörten wir genau drei Mal. Das heisst drei Mal den Computer umprogrammieren und drei Mal ein Approach Briefing machen. Gopfridstutz!Teuer ist sie geworden diese Perle knapp am Äquator gelegen. Für ein Essen bezahlt man mehr als man sich von Asien gewohnt ist und das Bier kostet fast soviel, wie in einem Londonner Nachtlokal. Gopfridstutz! Schliesslich ist das Bier nach einem 12-Stundenflug quasi eine Medizin für die geplagte und verstubte Niere.Trotzdem bezeichne ich den Trip nach Singapur als gelungenen Einstieg ins Arbeitsleben nach vielen wundervollen Tagen im winterlichen Engadin. Selbst der Temperaturunterschied ist so brutal nicht. Die Loipen und die...

Ein halbes Leben

Neulich klopfte mir der junge Copilot auf die Schulter und nickte anerkennend. Was denn los sei, wollte ich von ihm wissen. «Gratuliere zum Dienstjubiläum!», schrie er für die Umgebung gut hörbar heraus.«Dienstjubiläum?»«Ja, laut Firmenhomepage bist Du 25 Jahre in der Firma.»«Das kann nicht sein, meinen Arbeitgeber gibt es ja erst seit 15 Jahren!», meine leise Antwort. Apropos 15 Jahre, warum feiert das niemand in unserer Firma?Nachdem ich meinen Kopf etwas zur Seite neigte, lüftete sich der Schleier. Tatsächlich habe ich am 3. Februar 1992 die Ausbildung zum Piloten begonnen. Scheisse, das ist genau ein halbes Leben her!Ich verschone die Leser an dieser Stelle und verzichte auf einen Rückblick auf meine Karriere und ihre Höhepunkte. Peinlichkeiten gäbe es viele zu erzählen und Heldentaten sowieso. Ich erinnere mich nicht mehr an die Namen aller Damen, die ich während meiner wilden Copi-Zeit in mein Herz geschlossen habe und auch schwierige Persönlichkeiten zu meiner Linken habe ich für immer aus dem Speicher gelöscht. Doch eines bleibt mir immer in Erinnerung, das ist der Bananen-Mantel meiner ersten Uniform. Weltklasse – oder?die "Colani -Uniform" der 90er JahreNZZ vom 6. Februar 1992 als Vergleich: Swiss Zahlen von 2015

124 Schritte bis Bangkok

Auch ich nenne eine dieser denkenden Uhren mein Eigen und lasse zahlreiche Parameter aufzeichnen, auswerten und darstellen. Dank dem Wunderding an meinem Handgelenk weiss ich, dass ich für die rund 9000 km nach BKK ganze 124 Schritte brauche. Die Thrombose lässt grüssen!Sieben Schritte sind es vom Pilotensitz bis in die Toilette, deren 12 bis zur Kaffeemaschine. Erklimme ich den Crewbunk, schlägt sich das in der Statistik mit 20 Schritten nieder. Ein Gang ins Gerüchtehauptquartier der F/A’s, der Businessküche, würde mit sagenhaften 25 Schritten zu Buche schlagen. Der Konjunktiv ist bewusst gewählt. Erstens unterbricht des Kapitäns Anwesenheit die Nonstop Sendung von Rumor-Radio unnötig und zweitens lasse ich mit meinem zentnerschweren Gewicht die Bodenplatten dermassen erzittern, dass sich die Top Passagiere in ihrem Schlaf gestört fühlen. Die Businessküche ist für mich tabu.So lassen sich meine 124 Schritte gut erklären. Vier Mal Schiffen: 56 Schritte. Einmal Crewbunk und zurück: 40 Schritte. Ein Kaffee selber herauslassen: 24 Schritte. Uniformhose im Bunk ausziehen: 4 Schritte. Et Voilà, so einfach ist das.Aus medizinischen Gründen wäre es wünschenswert, wenn ich mich auf 10000 Metern mehr bewegen würde. Doch Vernunft und Fliegerei lassen sich bei weitem nicht immer unter einen Hut bringen. Ein einziger und tragischer Zwischenfall hat dazu geführt, dass die Thrombosegefahr unter den Piloten sprunghaft angestiegen ist.Von oberster Stelle wurde verfügt, dass immer vier Augen im Cockpit offen sein sollten, was diese allerdings zu fokussieren haben, regelt das Gesetz nicht. Öfters, als dies den Sicherheitsverantwortlichen lieb ist, tasten sich diese vier Augen gegenseitig die Iris ab. Lassen sie mich das an einem Beispiel erklären.Ein junger Copilot in Ausbildung, nennen wir ihn Kevin, hat von einem Kollegen die Freigabe zur „2-Men-OPS“ bekommen. Das heisst nichts Anderes, als dass er ab subito mit seinem Ausbilder alleine unterwegs sein darf, ohne dass ihm ein Ausbildungs-F/O vom dritten Sitz nonstop...

warum der B777 keinen Pilotentisch hat

Gerne wird von Airbus-Fahrern behauptet, dass B777-Piloten verwahrloste und stillose Wesen seien. Ursache für diese Behauptungen und Unterstellungen sind zum einen die fehlenden Pilotentische und zum anderen der akute Mangel an Abfalleimern im braun gehaltenen Cockpit aus amerikanischer Manufaktur.In ausgesuchten IKEA-Filialen kann der Airbus-Tisch unter dem Produktnamen „Fällbord“ (schwedisch für Klappertisch) erworben werden. Man findet Ihn in der Kinderabteilung zwischen der Hüpfburg und dem Krämerladen mit Produktimitationen aus dem IKEA-Knäckebrot-Shop. Der Tisch eignet sich ausgezeichnet dafür, die speziell für den Kinderkrämershop konzipierten Tabletts abzustellen. Tabletts aus handelsüblicher Herstellung – zum Beispiel die aus dem Flugzeug, sind leider in ihren Abmessungen zu breit. Zwingend müssen diese der Länge nach auf die Abstellfläche gestellt werden. Wegen des leichten Nose-Up Pitch des Tisches, rutschen die Tabletts gerne nach hinten. Um Unfälle und schmutzige Uniformhemden zu vermeiden, muss das Tablar zwingen mit dem Bauch fixiert werden. Übergewichtige Piloten sind da im Vorteil. Schlankere Piloten müssen den elektrisch betriebenen Pilotensitz bis zum Anschlag der Kniescheiben nach vorne fahren, damit die essbare Ware auch bei leichten Turbulenzen im Porzelan bleibt.Bei Boeing wurde das Problem – wie so oft bei diesem Flugzeug, pragmatisch gelöst. Der Tisch wurde einfach weggelassen. Die Vorteile liegen auf der Hand, beziehungsweise nicht auf dem weissen Uniformhemd. Selbst bei dem von der EASA gefordertem Upset-Recovery-Training (UPRT) kann der Pilot Monitoring (PM) problemlos weiter dinieren. Zweckmässiges und dosiertes Anheben des entsprechenden Beins belässt das Tablett selbst bei abenteuerlichen Rollwerten in der Waagrechten. Die Suppe schwappt nicht über und so quasi als kostenloser Nebeneffekt wird durch das Bewegen der Beine die Trombosegefahr signifikant gesenkt.Der AbfalleimerLinks und rechts des Pilotensitzes finden Airbus-Fahrer jeweils ein blaues Blechgefäss, das in etwa zehn auf zehn Zentimeter misst und deren 40 cm tief ist. Gut gestopft reicht das Volumen ungefähr einen ganzen Langstreckenflug weit. Ähnlich wie bei einem normalen Haushalt,...